Von klein auf wird uns erklärt: Die Polizei ist dein Freund und Helfer. Der Durchschnittsbürger zuckt aber zusammen, wenn ihm auf offener Straße Blaulichter begegnen. Gerade als Jugendlicher hat man von den grünen Beamten häufig ein voreingenommenes Bild. Um einen Einblick in die junge Generation der Gesetzeshüter zu erhalten, frägt Schmitz den Polizei-Azubi Thomas F. (25) nach seinem Werdegang zu diesem Beruf.

Was treibt einen jungen Mann dazu, Polizist zu werden?

Der typische Kindheitstraum: Ich wollte den Leuten schon immer etwas Gutes tun und für Gerechtigkeit sorgen. Nur im Büro zu sitzen war mir zu langweilig. Dazu ist es ein krisensicherer Job.

War das schon immer Plan A?

Bei der Wahl war ich mir schon immer sicher, aber es hat nicht auf Anhieb geklappt. Den Einstellungstest habe ich zwar bestanden. Es ist nur blöd, wenn die Note nicht ausreicht, um eingestellt zu werden. Naja, dann musste erstmal eine andere Ausbildung herhalten. Der Traum war weiterhin da.

Welche Ausbildung hast du stattdessen gemacht?

Technischer Zeichner. Ich konnte mich damals für nichts anderes entscheiden. Noch während der Ausbildung habe ich den Einstellungstest bei der Polizei wiederholt. Und siehe da: Es hat wieder nicht gereicht. Wenigstens konnte ich das Projekt Bauzeichner erfolgreich abschließen.

Und danach ging es zur Polizei?

Fast, ich habe erst noch eine weitere Ausbildung angefangen. Diesmal LKW-Mechaniker. Währenddessen lief die Bewerbung bei der Polizei weiter. Die bayerische Polizei stellt zwei Mal im Jahr Leute ein, im März und im September. Im März ist die geforderte Note für gewöhnlich niedriger. Das liegt vermutlich an der kleineren Zahl der Bewerber. Nach einem halben Jahr war mein Testergebnis Gott sei Dank ausreichend und ich wurde endlich eingestellt.

Bei Beamten muss ich immer an Musterschüler denken, ist bei dir ja noch nicht all zu lang her. Bist du Mal sitzen geblieben?

(lautstark lachend) Ein Musterschüler war ich leider nie, im Gegenteil. Ich war eher derjenige, der öfters mal in der Ecke stehen musste. Beim Nachsitzen war ich dafür stets dabei. Ich kann dir gar nicht sagen, wie oft das vorkam. Auch Verweise habe ich gesammelt, sei es Hausaufgaben nicht gemacht oder Blödsinn im Unterricht. Dass ich mal Polizist werde, hat damals wohl niemand gedacht.

Muss man als Jugendlicher ein gutes Stück Leichtsinn zurücklassen, wenn man Gesetzeshüter werden will?

Wenn man Blödsinn macht oder auf Partys mal einen über den Durst trinkt, weiß es sofort jeder in der Nachbarschaft. Das spricht sich weiter. Man muss Angst haben, die Vorbildfunktion und das öffentliche Ansehen der Polizei zu schädigen. Es heißt nie: Oh hast du das von dem und dem gehört? Sondern immer sofort: Der Polizist hat dies und das gemacht. Gerade als junger Bursche kann das sehr belastend sein.

Hast du schon einmal Freunde von dir bei einem Delikt erwischt?

Ja, das war noch im Praktikum. Ich wurde zu einer anderen Dienststelle geschickt, damit die Chance beim Lasern jemanden zu kennen gesenkt wird. Genau einen haben wir rausgezogen, den Vater eines Kumpels. Wir mussten beide lachen. Ich habe ihn über sein Fehlverhalten aufgeklärt und mit einer Verwarnung weitergeschickt. Bei ihm daheim war die Stimmung am Toben, als er die Geschichte am Esstisch ausgepackt hat.

Wird man privat nicht zum Kontrollfreak, wenn Freunde mal einen Joint rauchen oder der Fuß auf dem Pedal zu schwer wird?

Ich bin ein kleiner Verkehrsfetischist. Es kann vorkommen, dass ich als Beifahrer mit der Rückhand auf den Hinterkopf des Fahrers oder auf das Armaturenbrett haue. So kann ich ihn unterschwellig auf sein Fehlverhalten aufmerksam machen. Handy in der Hand beim Fahren geht auch überhaupt nicht. Meine Freunde reagieren darauf verschieden. Die einen reden dagegen, andere ignorieren das Ganze und manche sind auch dankbar.

Und wie sieht’s mit Drogen aus?

Wenn ich ganz ehrlich bin, ist es mir egal, wenn einer von meinen Freunden was raucht. Ich sehe es aber nicht gern. Ich kann Drogen und Süchtige nicht ausstehen.

Verallgemeinerst du das absichtlich?

Kann ich so nicht sagen, ich hasse einfach Drogen. Dafür habe ich schon zu viel gesehen. Wenn ich mir denke, was das für ein Teufelskreis ist, will ich einfach nicht, dass einem meiner Freunde dasselbe Schicksal widerfährt.

Was genau hast du denn gesehen?

Wir wurden mal zu einer Hausdurchsuchung gerufen, bei der wir einen komplett zugekifften 19-Jährigen angetroffen haben. Wir haben nur Drogen gesucht, aber keine gefunden. Dafür hatte er aber Mietschulden von knapp 1000 Euro. Er versuchte sich zu erklären: Die Mietschulden konnte er nicht zahlen, da er keine Arbeit bekommt. Arbeitslos ist er, weil ihm ein gültiger Personalausweis fehlt. Den kann er nicht beantragen, dafür bräuchte er 36 Euro. Also der geht mir nicht mehr aus dem Kopf.

Dann nehme ich an, dass du selbst noch keine Drogenerfahrung gesammelt hast?

So ist das nun auch wieder nicht. Ich habe auch schon mal ein „Tütchen“ geraucht, mir hat das aber nicht wirklich was gegeben. (schmunzelnd) Dafür war mir mein Führerschein zu wichtig.

Manche fühlen sich von der Polizei unfair behandelt. Wie sollte ich mich verhalten, wenn du mal an meine Autoscheibe klopfst?

Am Besten so, wie man sich selbst entgegenkommen will. Respekt vor der Person, ein höflicher Ton und ein freundlicher Umgang. So hat man die besten Karten, ein gutes Gespräch zu führen. Man mag es nicht glauben, aber wir sind auch nur Menschen.