Ein paar Punks springen jubelnd aus dem Gebüsch und recken grölend eine Flasche Bier in die Höhe. Das ist die Osterbiersuche der APPD in Nürnberg. Die APPD ist die «Anarchistische Pogo-Partei Deutschlands» und feiert Suff und Arbeitslosigkeit. Nur ein Haufen der üblichen Asozialen, die nur saufen und pöbeln? Oder steckt mehr hinter der Partei? «Mäintschl» ist seit knapp zwei Jahren Mitglied der APPD und gibt einen tieferen Einblick.

Wie sind Sie auf die APPD gestoßen? Ich bin über eine Band auf die Partei gestoßen: Die Kassierer. Als ich Fan der Band wurde, habe ich mich natürlich auch mit ihr auseinandergesetzt. Ich habe herausgefunden, dass der Sänger der Band Mitglied in einer Partei und ihr Kanzlerkandidat war. Da habe ich mich dann weiter mit der Partei beschäftigt – rein aus Interesse.

War der Grund für den Eintritt in die Partei nur diese Band? Nein, das war nicht der Grund. Das gesamte Konzept und die Ziele der APPD haben mich angesprochen und deswegen habe ich mich für den Beitritt entschieden.

Was sind denn die Ziele der APPD? Die Balkanisierung Deutschlands in drei verschiedene Zonen, die komplette Rückverdummung der Bevölkerung, das Recht auf Arbeitslosigkeit bei vollem Lohnausgleich, die Abschaffung der Schulpflicht und die Legalisierung aller Drogen.

Was ist die Balkanisierung Deutschlands? Es gibt den sogenannten «Pogo-Rassismus». Es gibt drei verschiedene Pogo-Rassen: Die Arbeitsscheuen, die Leute die Arbeit lieben und die Gewaltverbrecher. In einer Pogo-Rasse können Leute verschiedenster ethnischer Herkunft sein und das natürlich auch grenzübergreifend. Man will diese Gruppen einfach voneinander separieren in die APZ – die Asoziale Parasitenzone, die SBZ – die Sichere-Beschäftigungs-Zone und die GEP – die Gewalterlebnisparks.

Wie sieht es in den Zonen aus? In der Asoziale Parasitenzone kann man es sich gut gehen lassen. Man säuft den ganzen Tag. Man muss nicht arbeiten. In der Sicheren-Beschäftigungs-Zone hat jeder Arbeit und sorgt dafür, dass die Asoziale Parasitenzone es sich gut gehen lassen kann. In jeder Gesellschaft gibt es auch Leute die gerne arbeiten. Sie arbeiten und werden dafür natürlich auch dementsprechend vergütet. Die Gewaltverbrecher kommen in die Gewalterlebnisparks, die ein bisschen so aufgebaut sind, wie kleine Erlebnisparks. Neo-Faschisten können sich dort ihr kleines Deutsches Reich bauen und Autobahnen und was weiß ich, was sie nicht alles wollen. In den Parks können sie dann ums Überleben kämpfen. Schwerverbrecher, Psychopaten, Triebtäter – solche Leute kommen da rein.

Machen Sie sich keine Gedanken, dass die Arbeitenden etwas dagegen haben die «asozialen Parasiten» mit durchzufüttern? Man muss alles ein bisschen umstrukturieren. Leute arbeiten für irgendwelche anderen und haben überhaupt keinen Spaß an der Arbeit, aber sie machen es, weil sie die Kohle brauchen. Nach der Machtübernahme der APPD wird es solche Leute, die arbeiten, auch geben. Sie halten die Wirtschaft oben und sorgen dafür, dass sie und die Bewohner der Asozialen Parasitenzone gut leben können. Sie haben dadurch kein schlechtes Leben – sie arbeiten nur.

Gibt es denn auch APPD-Mitglieder, die tatsächlich in die Arbeiterzone wollen? Eher weniger. Also ich habe zumindest noch niemanden kennengelernt. Nach außen hin ist die APPD einfach eine Partei, bei der eben viele denken: «Ja, die besteht nur aus Leuten, die nicht arbeiten wollen», aber wenn sie mal ein bisschen an Popularität gewinnt, bin ich mir sicher, dass es auch ein paar Leute gibt, die in der Sicheren-Beschäftigungs-Zone leben möchten.

Die dritte Zone – der Gewalterlebnispark – klingt nicht nach einem Gefängnis. Wie soll man sich das vorstellen? Es ist die Alternative zum Gefängnis. Man ist nicht so eingegrenzt, sondern hat Freiraum auf größeren Flächen. Zum Beispiel hier speziell in Franken war Gräfenberg immer ein großer Anlaufpunkt für Neonazis. Die APPD Franken hat sich dafür eingesetzt, dass Gräfenberg komplett zu einem Gewalterlebnispark wird. Das wären dann eben keine kleineren Flächen, sondern schon mal größere Landkreise.

Was hat es mit der «Rückverdummung» auf sich? Verdummung darf man nicht mit Verblödung verwechseln. Die Verdummung ist eher eine Reduzierung des Gedankenguts auf ein Minimales – das Nötigste. Alles Überflüssige fällt weg. Man darf sich das natürlich gerne aneignen, aber es wird nicht mehr in den Schulen gelehrt. Eine Schulpflicht wird es dann sowieso nicht mehr geben. Verblödung ist einfach eine Anhäufung von Fehlinformationen. Als Parteivorbild haben wir den unbekannten Affen. Das ist ein Gorilla im Regenwald, der den ganzen Tag nur frisst, fickt und schläft. So sieht für uns das Idealbild der Rückverdummung aus.

Und was wird dann in den Schulen gelehrt? Pogo-anarchistische Themen. Es gibt Drogenkunde und Sexualkunde in der Theorie und Praxis. Schulen wird es in jeder Zone geben und der Unterricht wird dementsprechend gestaltet. In der Sicheren-Beschäftigungs-Zone wird dann vor allem gelehrt, wie geil es ist zu arbeiten, aber das ist ja heutzutage auch schon der Fall.

Und wie steht es um die Qualifikationen für das Berufsleben? Da gibt es keine. Also du kannst machen worauf du Bock hast. Das ist der Grundgedanke der APPD: Man soll das machen worauf man Bock hat und nicht das, wozu man gezwungen wird, nur weil es die Gesellschaft einem vorschreibt.

Aber es gibt viele Berufe, die gewisse Grundqualifikationen voraussetzen – zum Beispiel als Arzt. Es werden auch weiterhin Ärzte ausgebildet, allerdings wird sich wahrscheinlich niemand aus der Asozialen-Parasiten-Zone für ein Medizinstudium entscheiden, dafür gibt es ja die Arbeitswilligen.

Wie reagieren andere Parteien auf die APPD? Es gab mal eine Zeit, da wurde die APPD als Spaßpartei eingestuft und durfte nicht zu Wahlen antreten. 2004 wurde dann die Satzung so genial neu verfasst, dass niemand mehr was dagegen sagen konnte. Von vielen werden wir wahrscheinlich immer noch als Spaßpartei eingestuft, aber dagegen kann man nichts machen.

Wie ernst nimmt sich die APPD selbst? Die Partei nimmt sich bierernst. Wir wissen aber auch, dass es seine Zeit braucht, bis Pläne, wie wir sie haben, durchgesetzt werden können. Die Partei sagt selbst, sie steckt noch in ihren Anfängen, obwohl es sie schon über 30 Jahre gibt.

Wie optimistisch ist die Partei für die Zukunft? Die starken Jahre, muss man sagen, sind leider vorbei. Wir hatten eine sehr gute Bundestagswahl 2005 und eine sehr gute Landtagswahl 1998 in Hamburg. Da haben wir für eine Kleinpartei sehr gut abgeschnitten. Wir haben die 1-Prozent-Marke geknackt. Nicht schlecht für eine Partei, die Deutschlandweit knapp 2.500 Mitglieder hat.

Wieso sollte ich der APPD beitreten? Arbeitslose, die Bock auf Arbeit haben, sollten der APPD beitreten. Natürlich ist ein Beitritt für die, die nichts tun wollen, auch sinnvoll. Das sind die zwei Zielgruppen, die wir am meisten ansprechen. Ein weiterer Grund für eine Mitgliedschaft wäre das viele Freibier.

Und wieso braucht Deutschland die APPD? Weil sonst die Bürger zu sehr verspießen. Ohne die APPD sind die Bürger sexuell frustriert. Die APPD ist einfach geil.