Nichts ist mehr wie es war, als Andreas Gabalier mit 19 Jahren seinen Vater verliert. Um mit dem Schmerz umzugehen, widmete sich der Österreicher der Musik und ist heute einer der erfolgreichsten Musiker im deutschsprachigen Raum.

Mit seinen Alben «Herzwerk», «Volks Rock’n’Roller» und «Home Sweet Home» hat sich der selbst ernannte Alpenrocker an die Spitze der österreichischen Charts gekämpft ­– und das über 500 Wochen in Folge. Selbst Nicht-Volksmusikfans zieht seine Mischung aus Rock’n’Roll und alpenländischer Folklore an. Irgendwie schunkelt man automatisch mit, wenn der 29-Jährige mit schwarzer Haartolle, knappen Lederhosen und wehendem Trachtentuch über die Bühne schwingt.

Ins Musikbusiness ist er irgendwie reingerutscht: Als Jurastudent in Graz brachte er sich nebenbei das Spiel auf der steierischen Harmonika bei und schickte eine Aufnahme ans ORF-Radio Steiermark. Das erste Lied, ursprünglich ein Gedicht an die Exfreundin.

«Da habs i auf gut steirisch verkackt»,    meint er verschmitzt,

«heut müsst man ihr fast Danke sagen». Der Song «So liab hob i Di» schoss nämlich in kürzester Zeit vom regionalen Radio auf die Top 1 der Landescharts. Die Plattenfirmen wurden aufmerksam und ein paar Monate später folgte der Vertrag mit Universal Music.

Vier Jahre ist das her. Seitdem hat er über 700 000 Tonträger verkauft, und darf sich unter anderem über den Gewinn eines Echos und eines Bambis freuen. Sein Erfolg gleicht einem modernen Märchen.

Schaut man jedoch in Gabaliers Familiengeschichte, weiß man, dass nicht immer alles so glatt lief.

Aufgewachsen in Graz hatte er zusammen mit seinen zwei Brüdern und einer jüngeren Schwester eine friedliche Kindheit. Die Mutter Lehrerin, der Vater Architekt – eine normale mittelständische Familie also. Nicht zu erwarten war deshalb der plötzliche Suizid des Vaters: Mit 53 Jahren übergießt sich Vater Wilhelm vor dem Familienwohnsitz mit Benzin und zündet sich an. Keine letzten Worte, keine Erklärung.

Ein Schock, vor allem weil sein Vater ein extrem lebensfroher Mensch war.

Die Schwester, das jüngste Familienmitglied, schafft es nicht, den Verlust zu verarbeiten: Zwei Jahre später folgt sie dem Vater in den Freitod, nimmt sich auf die gleiche Weise das Leben.

«Amoi Seg’ Ma Uns Wieder» hat er ihnen gewidmet, ein andächtiger Höhepunkt auf jedem seiner sonst so schallenden Konzerte. Früher ein Trauerlied, ist es für ihn heute ein Lied der Hoffnung. Dass die Tragödien sein weiteres Leben bestimmen sollen, will er nämlich nicht zulassen:

«Das Leben ist einfach schön. Das ist meine Einstellung. Die kann nichts ­­– kein Geschehen oder irgendjemand – in mir verwüsten.»

Mit dieser positiven Einstellung wirkt Andreas Gabalier authentisch und erfrischend unmaskiert für das Genre der Volksmusik. Traditionell sind vor allem die Texte über das Daheim, die feschen Madl und Buam. Dass er dafür keinen Literaturpreis gewinnen wird, ist klar, aber seine Lebensfreude ist ansteckend.