In der Wohnung von Freunden und Bekannten entdeckt man häufig viele Familienfotos, Fotos mit dem eigenen Haustier oder auch Gemälde. Peter Naklicki (70) kombinierte diese beiden Aspekte und entwickelte daraus eine neue Geschäftsidee. Bei seinem Unternehmen «Großartige Gemälde» kann man Fotos einreichen und sie von Malern als Gemälde gestalten lassen. Er spricht über seine Ideen und Visionen. Aber auch darüber, was ihn dazu bewegt im hohen Alter nochmal beruflich durchzustarten.

 

Herr Naklicki, wie sind Sie auf die Geschäftsidee für «Großartige Gemälde» gekommen?

Ich komme aus der Fotografie-Branche und habe in Australien viel fotografiert, auch Familien. In jedem Haushalt hängt ein Familienfoto. Und wenn man ein schönes Bild sieht, dann freut man sich. Man bekommt ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und stärkt den Familiengeist. Ich möchte die Menschen glücklich machen.

Ist Glück der Grundwert Ihres Unternehmens?

Ja. Ich will Gutes tun mit meinen vielen Ideen. In der Welt ist alles ungerecht. Die Umwelt, Tiere, Menschen werden schlecht behandelt. Mit meinem Unternehmen möchte ich mich dafür einsetzen, dass die Welt besser wird.

Wie stellen Sie sich das genau vor?

Ich suche Geschäftsleute mit viel Berufserfahrung. Leute, die lange an einer Spitzenposition in einem Top-Unternehmen gearbeitet haben. Gleichgesinnte, die im Ruhestand noch was Gutes tun wollen oder Menschen, die sozial eingestellt sind und nicht wissen, was sie mit ihrem vielen Geld anfangen sollen. Meine Aufgabe ist es, diese Menschen zu finden und zu überzeugen, dass sie investieren. Der Gewinn wird an eine Organisation gespendet. Die Führungsleute bekommen nichts. Die Angestellten sollen eine soziale Einstellung haben und dürfen mitentscheiden, wohin das Geld geht. Somit sind die Mitarbeiter stolz und froh, weil sie was Gutes tun.

Sie haben in Australien als Fotograf gearbeitet. Was hat Sie nach Australien verschlagen?

Meine Mutter ist Deutsche und ich bin hier im Schwarzwald geboren. Wir sind nach Australien ausgewandert, als ich vier Jahre alt war. Ein Jahr vor meinem Abitur habe ich ein Geschenk aus Deutschland erhalten. Es war ein Klick-Fernseher. Man hat so schöne Bilder von Deutschland gesehen. Da sagte ich zu mir: Es ist so schön dort, da gehe ich hin. Nach meinem Abschluss bin ich mit dem Schiff nach Deutschland gefahren um dort bei meinem Onkel eine Lehre als Schreiner zu machen.

Wie sind Sie dann doch zur Fotografie gekommen?

Auf dem Schiff habe ich eine junge Fotolaborantin kennengelernt, die mich dazu inspiriert hat. In Stuttgart habe ich dann bei Kodak eine Lehre zum Fotografen gemacht. Als ich 21 Jahre war, haben wir geheiratet und sind zusammen nach Australien gegangen. Dort haben wir ein Unternehmen gegründet, das sich auf Mannschaftsfotografie spezialisiert hat. Damals gab es keine guten Fotografen für diesen Bereich. Wir haben klein angefangen und wurden immer größer. Am Ende beschäftigte ich 120 Mitarbeiter und machte einen Umsatz von fünf Millionen im Jahr. Ich bin ein Einzelgänger. Wäre ich geselliger, dann wäre mein Unternehmen wahrscheinlich noch größer geworden.

Wie meinen Sie das?

Meine Mitarbeiter haben mir das Leben schwer gemacht und ich musste meine Firma nach 35 Jahren verkaufen. Außerdem war Geld immer eine Nebensache für mich. Um die Finanzen kümmerte sich mein Steuerberater. Er hat sich fünf Millionen unter den Nagel gerissen, hat einen schönen Ferrari gefahren und mein Geld verprasst. Australien hat sich wie ein Gefängnis für mich angefühlt.

Inwiefern war es ein Gefängnis?

Es hat sich schrecklich angefühlt. Ich habe nicht gearbeitet, hatte keine Richtung in meinem Leben. Ich war sehr unglücklich und hatte nur die Fehler vor mir, die die Leute gemacht haben. Dann habe ich den Beschluss gefasst, wieder nach Deutschland zu gehen. Ich wusste, dass es hier gut wird.

Was hat Sie so sicher gemacht?

(lächelt) Meine Mutter hat immer von Deutschland geschwärmt und wir waren oft zu Besuch hier. Deutschland liegt mir im Blut und ist ein großer Teil von mir. Ich finde es toll hier, die Jahreszeiten, das gute Essen. Als ich vor zweieinhalb Jahren hier ankam, fühlte ich mich zu Hause und angekommen. Dann habe ich mich frisch verliebt und sehr viel Energie bekommen. Im Leben gibt es gute und schlechte Zeiten. Hier hat eine gute Zeit für mich begonnen. Ich bin froh, dass mir das Leben eine zweite Chance bietet.

Wie stellen Sie sich in Zukunft Ihre Mitarbeit im Unternehmen vor?

(schwärmt) Es geht wunderschön weiter. Viel schöner, als es jetzt schon ist. Auch wenn ich irgendwann nicht mehr da bin. Ich lege mit meinen Ideen den Grundstein und gebe den Anstoß. Andere werden die Firma weiterführen. Ich liefere nur die richtigen Ideen. Bald wird es in jeder Stadt eine Firma geben. Die Idee verbreitet sich, weil sie so toll ist. Irgendwann gibt es in jedem Land auf der Welt einen Standort.

Viele Gleichaltrige genießen ihren Ruhestand und arbeiten nicht mehr. Warum möchten Sie weiterarbeiten?

Wenn ich nichts tue, kann ich mich auch gleich hinlegen und sterben. Es ist so. Alles hat zwei Seiten, der Sinn des Lebens auch. Man genießt das Leben, die Natur und die Schöpfung, aber man muss auch was beitragen. Man kann nicht nur nehmen. Wenn ich das ganze Jahr in den Urlaub fahre oder Fernsehen schaue – macht mich das glücklich? Ich denke nicht. Diese Leute flüchten vor etwas. Sie haben noch nicht eingesehen, dass man Gutes tun muss. Wenn man das Endziel vor Augen hat, ist es offensichtlich und klar. Wenn man sieht, was man den Menschen Gutes tut. Dann muss man nicht mehr fragen, warum man es tut.